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Ein inklusiver Spielraum zwischen Stadt, Sport und Lippeaue

Kinderspielplatz nach Inklusionsmatrix

Am Harkortweg, unmittelbar am Jahnplatz in Lippstadt, entsteht derzeit ein neuer inklusiver Spielplatz. Auf rund 2.000 m² wird der bestehende, in die Jahre gekommene Spielplatz vollständig neu gestaltet. Die Fertigstellung ist für Ende Oktober 2026 vorgesehen.

Der Jahnplatz ist bereits heute ein wichtiger Sport-, Freizeit- und Begegnungsort in Lippstadt. Sportplätze, Dirtpark, Calisthenics-Anlage, Skatepark, digitale Sport- und Spielangebote und weitere Freizeitmöglichkeiten treffen hier auf die Lippe und die angrenzende Lippeaue. Genau diese besondere Lage zwischen Stadt, Bewegung, Wasser und Natur bildet den Ausgangspunkt für die Neugestaltung des Spielplatzes.

Projektstandort: Harkortweg 19, Lippstadt

Auftraggeber: Stadt Lippstadt

Fläche: ca. 2.000 m²

Projektlaufzeit: 05/ 2025 – 10/2026

Gesamtbaukosten: ca. 840.000 EUR

Förderung: 200.000 € durch die Sparkasse Hellweg-Lippe 

Leistungsumfang: Beratung, Bedarfsanalyse, Kinderbeteiligung, Konzept für Stiftungsanfragen, Planung & Konstruktion, Projektmanagement, Ausführungsplanung, Fachbauleitung

Projektbeschreibung: Neugestaltung im Retentionsgebiet
 

 

 

Von der Bedarfsanalyse bis zur Fachbauleitung: ein Spiel- und Begegnungsraum nach der Inklusionsmatrix DIN/TS 18034-2:2024-02

Projektziele:

Ziel der Neugestaltung ist die Realisierung des ersten inklusiven Kinderspielplatzes in Lippstadt. Geplant ist ein Spiel- und Begegnungsraum, der möglichst vielen Menschen unterschiedliche Zugänge zu Spiel, Bewegung, Wahrnehmung und gemeinsamer Nutzung ermöglicht.

Unterschiedliche Spielzonen greifen ähnliche Bewegungsformen in möglichst drei Schwierigkeitsgraden auf. Dadurch entstehen verschiedene Möglichkeiten, sich entsprechend der eigenen Fähigkeiten und Interessen mit den Angeboten auseinanderzusetzen. Erfahrungen über alle sieben Sinne werden in die Planung einbezogen. Wasser- und Matschspiel, Musizieren sowie unterschiedliche Formen, Farben und Materialien ergänzen Angebote zum Klettern, Rutschen, Drehen, Schaukeln und Balancieren. Findlinge werden als landschaftliche Elemente in Pflanz- und Spielbereiche integriert und bieten zusätzliche Möglichkeiten zum Entdecken, Erleben und freien Spiel.

Gleichzeitig soll der Spielplatz Raum für Naturerfahrung, Entdeckung und selbstbestimmtes Erkunden bieten. Versteckmöglichkeiten und naturnahe Bereiche ergänzen die klassischen Bewegungsangebote. Die Bepflanzung wird mit heimischen, insektenfreundlichen und klimaresilienten Pflanzen auf die ökologischen und klimatischen Anforderungen des Standortes abgestimmt.

Ein weiterer Bestandteil der Planung ist die Beteiligung von Kindern. Ihre Perspektiven, Wünsche und Bedürfnisse wurden im Planungsprozess aufgenommen und fließen in die Entwicklung des Spielraumes ein.

Neben Aktivität und Spielwert spielt die Aufenthaltsqualität eine wichtige Rolle. Rückzugsorte sowie Plätze zum Ausruhen, Beobachten und Verweilen schaffen eine angenehme Atmosphäre für Kinder und Begleitpersonen und sollen auch längere Aufenthalte angenehm ermöglichen.

Als weiterer Baustein der inklusiven Planung wird ein alternatives taktiles Leitsystem entwickelt und im Projekt erprobt. Ziel ist eine Orientierungslösung, die taktile Wahrnehmbarkeit und Farbkontraste mit einer selbstverständlichen gestalterischen Einbindung in den Spielraum verbindet.

Inklusion von Anfang an mitdenken

Eine inklusive Planung beginnt nicht beim einzelnen Spielgerät, sondern bei der Frage, wie der gesamte Spiel- und Aufenthaltsraum von möglichst vielen Menschen erreicht, wahrgenommen und genutzt werden kann. Das Mitwirken und Anhören von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter war demnach Grundlage der Planung. Ihre Perspektiven wurden ebenso einbezogen wie Anforderungen an Zugänglichkeit, Orientierung, unterschiedliche Bewegungs- und Sinneserfahrungen sowie gemeinsames Spiel.

Statt einzelne Spielgeräte zu ergänzen, wird der Spielplatz als zusammenhängender Spiel- und Begegnungsraum geplant. Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsangebote werden dabei ebenso betrachtet wie Wege, Übergänge und die Anbindung an Park- und Stellflächen für PKW, Wohnmobile sowie radgebundene Fortbewegungs- und Hilfsmittel.

Perspektivisch ist ein öffentliches WC nach dem Standard Toilette für Alle vorgesehen. Für einen konsequent inklusiv gedachten Aufenthaltsort ist eine entsprechende Sanitärausstattung aus unserer Sicht zwingend erforderlich. Damit wird Barrierefreiheit nicht auf das eigentliche Spielangebot begrenzt, sondern auf die Voraussetzungen für einen selbstbestimmten und auch längeren Aufenthalt erweitert.

Wasser, Natur und Bewegung als Leitidee

Die Lage unmittelbar an Lippe und Lippeaue prägt die Planung des Spielplatzes in besonderer Weise. Das Gelände befindet sich in einem Retentionsgebiet und unterliegt damit besonderen Anforderungen an Planung, Gestaltung und Ausführung.

Gleichzeitig wird der Bezug zur umgebenden Fluss- und Auenlandschaft gestalterisch aufgegriffen. Wasser und Natur werden nicht nur als Thema dargestellt, sondern durch unterschiedliche Spiel-, Wahrnehmungs- und Erfahrungsangebote unmittelbar erlebbar gemacht. Wasserspiel, Matschbereiche, Findlinge, Geländemodellierungen und naturnahe Pflanzbereiche verbinden sich mit den Bewegungsangeboten des Spielplatzes und dem Sportangebot des Jahnplatzes.

Vorgesehen sind unter anderem:

  • Kletterstrukturen und eine gewendelte Tunnelrutsche,
  • unterschiedliche Möglichkeiten zum Hangeln und Balancieren,
  • verschiedene Schaukelangebote,
  • Wasserspielangebote zum Matschen, Stauen und Buddeln,
  • Sinneserfahrungen unter anderem durch Höhe, Klang, Farbe, unterschiedliche Formen und Materialien,
  • naturnahe Gestaltungs- und Sitzelemente sowie
  • zusätzliche schattenspendende Elemente und Bepflanzungen.


Bestandsbäume werden in die Planung einbezogen. Naturnahe Materialien, eine zusammenhängende Formensprache und aufeinander abgestimmte Gestaltungs- und Spielelemente verbinden die unterschiedlichen Bereiche zu einem gemeinsamen Spiel- und Erlebnisraum.

Ein Kinderspielplatz nicht nur für Kinder

Die ursprüngliche Zielgruppe umfasst Kinder unterschiedlicher Altersgruppen. Bei der Planung wird der Blick jedoch bewusst auf weitere Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Raumes erweitert.

Ein öffentlicher Spielraum funktioniert dann besonders gut, wenn Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsam spielen können, Eltern, Geschwister und andere Begleitpersonen selbstverständlich dazugehören und auch Menschen, die nicht selbst spielen, einen angenehmen und somit längeren Aufenthaltsort finden.

So wird der Spielplatz über das eigentliche Spielangebot als ein öffentlicher Begegnungsraum für Beobachtung, Austausch und Bildung gedacht.

Wir durften uns ausprobieren

– Raum für neue Lösungen.

Das Projekt bietet die Möglichkeit, verschiedene Ansätze einer inklusiven Spielraumgestaltung projektspezifisch weiterzuentwickeln und praktisch zu erproben.

Dazu gehören unterschiedliche Formen taktiler Beschilderung, ein Leitsystem innerhalb der Gießbeschichtung, Markierungen im Pflasterweg, konstruktive Anpassungen an Spielgeräten, weichere und angenehm greifbare Schaukelaufhängungen sowie der gezielte Einsatz von Farbwelten zur Wahrnehmung und Orientierung. Die einzelnen Lösungen werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in die Gesamtgestaltung des Spielraumes eingebunden.

Wir bedanken uns schon jetzt für den angenehmen und unkomplizierten Austausch mit dem ausführenden Unternehmen Kösters und dem Schilderlieferanten KW Labelling aus Papenburg. Besonders hervorheben möchten wir die herzliche, vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Stadt Lippstadt. Danke für den großen Vertrauensvorschuss und die Offenheit, gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.

Wir freuen uns auf die Einweihung in 2027.

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