Kokosfaserbelag auf dem Spielplatz hat einige Nachteile. Dennoch wurden in den letzten Jahren verschiedene natürliche Bodenbeläge aus Kokosfasern als nachhaltige Alternative zu synthetischen Spiel- und Sportböden beworben. Die Versprechen: umweltfreundlich, robust und sicher. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass Kokos nicht mit Teppichvlies mithalten kann. Weder bei Sicherheit noch bei Nachhaltigkeit oder Pflegeaufwand.
Kokosfasern besitzen eine spitze, harte Struktur. Diese Borsten erhöhen bei Stürzen das Risiko für Hautverletzungen wie Abschürfungen. Im direkten Vergleich sind Polypropylen-Fasern, wie sie bei Teppichvlies verwendet werden, wesentlich weicher und hautfreundlicher. Tests wie der international genutzte Skin Injury Test (Labosport) bestätigen eine deutlich stärkere Hautreibung und damit mehr Abschürfungen durch Kokosfaseroberflächen.
Laut einem Test nach DIN EN 13672 haben Kokosfasern als Bodenbelag einen hohen Abrieb und eine geringe Lebenserwartung, wobei sich die Fasern mit zunehmender Belastung und Umdrehungen leichter lösen und dadurch schneller abnutzen.
Kokosfasern reagieren empfindlich auf Staunässe. Die Entwässerung bei kokoshaltigen Verlegesystemen erfolgt punktuell über Lochentwässerungen und nicht flächendeckend. Während längerer feuchter Wetterperioden kann eine gleichmäßige Abtrocknung daher unter Umständen nicht gewährleistet werden. Organische Fasern wie Kokos nehmen Feuchtigkeit auf. Polypropylen-Fasern hingegen können nicht schimmeln, da sie keine Feuchtigkeit aufnehmen und daher auch nicht biologisch abbaubar sind.
Kokos als Bodenbelag im Außenbereich benötigt einen höheren Pflegeaufwand, da der eingebrachte Quarzsand zwischen den vergleichsweise steifen Kokosborsten wandert und dadurch die Sandverteilung im Belag ungleichmäßig werden kann. Der Spezialsand schützt das Material und muss daher wieder gleichmäßig an Ort und Stelle verteilt werden. Bei synthetischem Vlies bleibt der Sand aufgrund der Faserstruktur in der Regel stabiler eingebunden. Dadurch gestaltet sich die Nutzung im Alltag insgesamt pflegeärmer.
Bei Kokosfaserbelägen handelt es sich trotz der natürlichen Faserkomponente nicht um ein vollständig sortenreines Produkt. Die Bahnen werden während der Verlegung mit Klebstoffen verbunden, wodurch ein Verbundmaterial entsteht. Solche Mischstoffe lassen sich am Ende der Nutzungsdauer nicht sortenrein trennen und sind daher nur eingeschränkt recycelbar.
Kokosfasern stammen überwiegend aus tropischen Ländern wie Indien, Sri Lanka, Indonesien und den Philippinen. Dort fallen sie als Nebenprodukt der Verarbeitung von Kokosnüssen an. Obwohl Kokos als nachwachsender Rohstoff gilt, ergeben sich entlang der Lieferkette einige ökologische Aspekte, die bei einer Gesamtbetrachtung relevant sind.
Die langen Transportwege verursachen entsprechend Transportemissionen und machen zusätzliche Maßnahmen notwendig, um die Fasern während der Reise vor Feuchtigkeit zu schützen. Für die Fasergewinnung sind mehrere Verarbeitungsschritte erforderlich. Diese Prozesse benötigen Wasser und Energie und beeinflussen damit ebenfalls die ökologische Gesamtbilanz.
Aufgrund der obigen Erkenntnisse empfehlen wir Teppichvliese aus Polypropylenfasern zu verwenden und auf Kokos zu verzichten. Teppichvliese auf Polypropylenbasis werden häufig in Europa hergestellt. Dadurch ergeben sich kurze Transportwege, ein geringerer CO₂-Ausstoß und vergleichsweise transparente Lieferketten, da Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards innerhalb eines einheitlichen gesetzlichen Rahmens gelten. Polypropylen wird zudem in der Regel sortenrein verarbeitet, was eine spätere Verwertung grundsätzlich erleichtert – vorausgesetzt, regionale Recyclingstrukturen stehen dafür zur Verfügung.
Nachhaltigkeit endet nicht beim Rohstoff. Erst wenn Materialeigenschaften, Lieferketten, Nutzungssicherheit und Pflegeaufwand gemeinsam betrachtet werden, entsteht ein Bodenbelag, der langfristig sinnvoll und verantwortungsvoll ist.
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